„Wann wird es eigentlich leichter?“

Jul 23 / Tabea Dobhardt
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Stundenlang Unterricht vorbereiten, Klassen führen, Elterngespräche meistern und dabei das Gefühl haben, ständig etwas vergessen zu haben: Der Berufseinstieg bringt viele Herausforderungen mit sich. Eine Interviewstudie mit Referendar:innen, Junglehrkräften sowie Quer- und Seiteneinsteiger:innen zeigt, welche Fragen und Unsicherheiten viele am Anfang beschäftigen und was wirklich entlasten kann.

21:45 Uhr. Du sitzt noch am Schreibtisch. Die Stunde für morgen ist vorbereitet, die Arbeitsblätter liegen bereit und die Folien sind erstellt. Eigentlich wäre jetzt Feierabend. Aber statt Erleichterung stellt sich ein anderes Gefühl ein:

Habe ich an alles gedacht? Ist die Stunde wirklich gut genug? Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler? Und warum scheinen alle anderen das besser im Griff zu haben als ich? 

Solche Gedanken kennen viele Berufseinsteigende. Egal ob Referendariat, erste feste Stelle oder Quereinstieg – der Start in den Lehrberuf ist oft von Unsicherheit, hohen Erwartungen und einem enormen Lernpensum geprägt.

Wenn aus Theorie plötzlich Schulalltag wird

Im Referendariat gehören Unterrichtsbesuche, Feedback und Bewertungssituationen zum Alltag. Gleichzeitig entwickelst du deinen eigenen Stil als Lehrkraft und versuchst, möglichst alles richtig zu machen. Mit der ersten eigenen Stelle übernimmst du plötzlich Verantwortung für eigene Klassen, führst Elterngespräche und organisierst zahlreiche Aufgaben, die über den Unterricht hinausgehen. Als Quer- oder Seiteneinsteiger:in stehst du vielleicht bereits vor Klassen, während du dich parallel noch in pädagogische und didaktische Grundlagen einarbeitest.

Die Wege in den Lehrberuf sind unterschiedlich – doch ein Gefühl kennen viele Berufseinsteigende: Nie ganz fertig zu sein.

Das eigentliche Problem ist oft nicht fehlendes Material

Heutzutage hast du Zugriff auf unzählige Unterrichtsmaterialien, Plattformen, Fachbücher und digitale Tools. Gerade diese Vielfalt kann auch eine Herausforderung sein. Denn die entscheidende Frage lautet oft nicht: „Wo finde ich etwas?“ Sondern: „Wo fange ich überhaupt an?“

In den Interviews zeigte sich: Viele Berufseinsteigende wünschen sich weniger zusätzliche Materialien als Orientierung.

Sie möchten wissen:
Worauf sollte ich mich zuerst konzentrieren?
Was muss wirklich perfekt sein?
Welche Herausforderungen sind normal?
Wie schaffe ich es, langfristig gesund zu bleiben?

Was dir den Start wirklich erleichtern kann

1. Sicherheit vor der Klasse
Eine Klasse reagiert anders als erwartet. Eine Störung unterbricht deine Planung. Eine Methode funktioniert nicht wie gedacht. Gerade am Anfang kann das verunsichern. Classroom Management bedeutet nicht, immer alles perfekt im Griff zu haben. Es bedeutet, Beziehungen aufzubauen, Orientierung zu geben und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Wenn du deine Sicherheit in der Klassenführung weiterentwickeln möchtest, können praxisnahe Fortbildungen und schulinterne Angebote (SchiLFs) zu Classroom Management, Kommunikation und Beziehungsarbeit unterstützen. Dabei geht es nicht nur um Methoden, sondern auch darum, Strategien zu entwickeln, die zu deinem Schulalltag passen.
👉 Mehr erfahren: Classroom Management

2. Struktur statt Perfektion
Vielleicht hast du schon Abende erlebt, an denen du immer weiter vorbereitet hast. Noch eine Verbesserung. Noch eine Idee. Noch eine Anpassung. Der Wunsch dahinter ist verständlich: Du möchtest guten Unterricht machen. Doch langfristig hilft nicht Perfektion, sondern Klarheit. Mit der Zeit entwickelst du Routinen: Du erkennst schneller, was wichtig ist. Du entscheidest sicherer. Du vertraust deinem eigenen Urteil mehr.

Fortbildungen zu Zeitmanagement, effizienter Unterrichtsplanung oder dem sinnvollen Einsatz von KI können dir helfen, deinen Arbeitsalltag bewusster zu gestalten und mehr Zeit für das Wesentliche zu gewinnen.
👉 Mehr erfahren: Selbst- und Zeitmanagement

3. Austausch statt Alleinkämpfen
Eine wichtige Erkenntnis aus den Interviews: Viele neue Lehrkräfte versuchen zunächst, Herausforderungen allein zu lösen. Doch du musst nicht alles selbst herausfinden. Der Austausch mit Kolleg:innen, anderen Referendar:innen oder jungen Lehrkräften hilft dir, Erfahrungen einzuordnen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Manchmal hilft schon die Erkenntnis: „Andere kennen diese Herausforderung auch.“

Auch Schulen können unterstützen

Ein guter Berufseinstieg ist nicht nur deine Aufgabe. Schulen können viel dazu beitragen, dass neue Kolleg:innen sicher ankommen – zum Beispiel durch feste Ansprechpartner:innen, Austauschmöglichkeiten und schulinterne Fortbildungen. Denn niemand sollte das Gefühl haben, den Einstieg allein bewältigen zu müssen.

Wann wird es leichter?

Vielleicht nicht an einem bestimmten Tag. Nicht nach der ersten Woche. Nicht nach der ersten gelungenen Stunde. Aber irgendwann merkst du: Du hinterfragst nicht mehr jede Entscheidung. Du kennst deine Klasse besser. Du entwickelst deine Routinen. Du vertraust dir mehr. Du musst nicht perfekt starten. Du darfst wachsen. Denn genau darum geht es beim Berufseinstieg: Nicht alles sofort zu können – sondern Schritt für Schritt sicherer zu werden.

Niemand muss sofort alles können

Die Interviews zeigen deutlich: Neue Lehrkräfte brauchen selten noch mehr Material.


Was ihnen wirklich hilft, ist etwas anderes: Orientierung, Sicherheit und das Gefühl, mit ihren Fragen und Herausforderungen nicht allein zu sein. Denn niemand startet mit fertigen Routinen, jahrelanger Erfahrung und einer Lösung für jede Situation. Sicherheit entsteht Schritt für Schritt durch Erfahrungen, Austausch und die richtigen Impulse zur richtigen Zeit.


Du musst nicht von Anfang an alles können.


Entscheidend ist, dass du deinen eigenen Weg als Lehrkraft entwickeln darfst und Unterstützung dort nutzt, wo sie dich im Schulalltag wirklich weiterbringt.


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